Denkmalschutz –
Haus Friedwart

Unsere größte Aufgabe liegt in der dauerhaften Erhaltung der Villa der Familie Leitz, dem Haus Friedwart, das am Kalsmunthang gelegen ist. Zwischen 1914 und 1917 für Ernst Leitz II (1871–1956) errichtet, wurde das Haus bereits während seiner Bauzeit vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überschattet. Der Name „Friedwart“ – im Sinne eines Hüters oder Erwartenden des Friedens – verweist auf diesen historischen Kontext.

Die Pläne für den Rohbau des späteren Wohnhauses von drei Generationen der Familie Leitz stammen von dem Wetzlarer Architekten Jean Schmidt (1877–1959), der für die Firma Leitz zahlreiche Fabrikgebäude entwarf, darunter die prägenden Hochhäuser in der Ernst-Leitz-Straße (darunter das heutige Neue Rathaus).

Schmidts Entwürfe wurden auf Wunsch von Ernst Leitz II vom Münchener Architekten und Designer Bruno Paul (1874–1968) überarbeitet und insbesondere im Hinblick auf die Innenarchitektur in außergewöhnlicher Weise weiterentwickelt. Bruno Paul, bekannt als Erbauer eleganter Villen und Gestalter anspruchsvoller Wohnmöbel, verkörpert in seinem Werk den Übergang vom strengen Neoklassizismus zu einer bewegteren Formensprache, die Elemente des floralen Jugendstils und Einflüsse ostasiatischer Kunst verbindet. Die von Paul gestalteten Innenräume und das vollständig erhaltene Mobiliar – bis hin zu Heizkörperverkleidungen und Lampen – bilden ein in Deutschland einzigartiges Ensemble.

Das Haus hat im Laufe der Jahrzehnte eine besondere Bedeutung für die Stadt-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte Wetzlars erlangt. Hier lebte Ernst Leitz II, als er 1924 – in wirtschaftlich äußerst schwieriger Zeit – die Serienfertigung der Leica entschied. Haus Friedwart entwickelte sich zu einer internationalen Begegnungsstätte: Namhafte Wissenschaftler, Geschäftspartner aus aller Welt und Leica-Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Alfred Eisenstaedt oder Germaine Krull kehrten hier ein und aus. Dank des Wirkens von Elsie Kühn-Leitz, die 1940 in das Haus zurückkehrte und bis zu ihrem Tod 1985 hier lebte, waren hier auch bedeutende Persönlichkeiten des kulturellen und politischen Lebens zu Gast, darunter Albert Schweitzer, Konrad Adenauer, Theodor Heuss oder Patrice Lumumba. Zahlreiche Erinnerungsstücke dokumentieren diese denkwürdigen Besuche. Renommierte Künstler der Nachkriegszeit wie Walter Gieseking, Elly Ney, Helmut Walcha oder Wilhelm Backhaus fanden hier Unterkunft und gaben Konzerte.

Über Jahrzehnte war das Haus zudem Mittelpunkt der deutsch-französischen Aktivitäten von Elsie Kühn-Leitz. Hier wurden die Städtepartnerschaft Wetzlar–Avignon vorbereitet und die Vorgängerorganisation der heutigen Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften (VDFG) gegründet, deren Büro über viele Jahre im Haus Friedwart geführt wurde.

Der Tradition des Hauses folgend werden die von Bruno Paul gestalteten repräsentativen Räume regelmäßig für kulturelle Veranstaltungen, insbesondere für Kammerkonzerte, Vorträge und Seminare geöffnet. Darüber hinaus bietet die Tourist-Information mehrmals im Jahr öffentliche Führungen an.

Seit 1974 steht das Haus unter Denkmalschutz. Elsie Kühn-Leitz und später ihre Kinder Knut Kühn-Leitz und Cornelia Kühn-Leitz, verh. Nass, kümmerten sich über Jahrzehnte um den Erhalt des Hauses, bevor diese Aufgabe auf die 2011 gegründete Stiftung überging.